Spiegel und Trigger: Was hat das mit mir zu tun?

Manche Menschen bringen uns auf die Palme, ohne dass sie etwas Besonderes getan hätten. Ein Blick auf das, was uns triggert, und warum es ein guter Hinweis auf uns selbst sein kann.

Es reicht manchmal ein Blick, ein Tonfall, ein Satz von jemandem, den du kaum kennst, und in dir brodelt es. Dabei ist objektiv nichts Schlimmes passiert. Genau diese Momente sind spannend, weil sie uns etwas über uns verraten.

Nicht persönlich nehmen, aber persönlich nutzen

„Nimm es nicht persönlich" ist ein beliebter Rat und gleichzeitig schwer umzusetzen. Hilfreicher finden wir: Nimm es nicht persönlich im Sinne von „der will mir was". Aber nutze es persönlich im Sinne von „was zeigt mir das gerade bei mir?"

Dann wird der Trigger vom Störfaktor zum Boten. Er sagt dir: Hier ist etwas, das du bisher nicht ansehen wolltest.

Die 10-Sekunden-Faustformel

Eine einfache Orientierung: Wenn dich etwas nur kurz ärgert und nach zehn Sekunden vorbei ist, war es vermutlich nur ein Moment. Wenn es dich aber länger beschäftigt, wenn du es innerlich immer wieder durchspielst, dann hat es mit dir zu tun.

Das ist keine exakte Wissenschaft, sondern ein Hinweis. Und der Hinweis lautet: Schau hin, statt dich weiter am anderen abzuarbeiten.

Was lehnst du bei anderen ab?

Probier das einmal mit jemandem aus, den du nicht leiden kannst, oder mit einer Eigenschaft, die dich besonders stört. Was genau stört dich? Wo erkennst du diesen Zug, vielleicht in einer leiseren Form, bei dir? Und: Was würdest du dir wünschen, das du dir selbst nicht erlaubst?

Manchmal ist es nicht die Eigenschaft selbst, sondern die Freiheit, mit der jemand sie lebt. Auch das kann ein Spiegel sein.

Nicht jede Begegnung ist ein Spiegel

Wichtig: Du musst nicht in jedem Gespräch nach Bedeutung suchen. Es gibt Begegnungen, die einfach nur nett oder nervig sind. Wer jede Kleinigkeit analysiert, wird selbst anstrengend.

Wir nennen das gern: nicht zu Tode analysieren. Neugierig und aufmerksam durch den Tag zu gehen reicht. Du erkennst schon, wenn etwas wirklich bei dir ankommt.

Das Gute im Spiegel

Der Spiegel zeigt übrigens nicht nur die schwierigen Seiten. Wenn du jemanden bewunderst, ist das oft ein Hinweis auf ein Potenzial in dir, das noch nicht ganz gelebt wird. „So möchte ich auch sein" kann eine Einladung sein.

Dabei gilt dasselbe wie beim Trigger: nicht bewerten und nicht gleich einen Workshop daraus machen. Spüren, wo die Freude hinzieht, und den nächsten kleinen Schritt gehen.

Auch Menschen mit blinden Flecken können Spiegel sein

Es kommt vor, dass wir von jemandem etwas mitnehmen, den wir gar nicht so überzeugend finden. Wenn du den Spiegel als solchen nutzt, ist es fast egal, wie sympathisch das Gegenüber ist. Du ziehst heraus, was für dich wichtig ist, und lässt den Rest da.

Eine Frage für diese Woche

Wer oder was hat dich diese Woche besonders aus der Ruhe gebracht? Und was könnte darin für dich stecken, ohne dass du irgendetwas an der Situation ändern musst?

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